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Sicherheit bei der Abgabe von Medikamenten

Verteilung von Medikamenten in Pflegeheimen: Möglichkeiten und Best Practices zur Erhöhung der Sicherheit
Letzte Aktualisierung: Den 21. Januar 2021
 
 Von Valentine Bregy-Tornay (soins@avalems.ch) zusammengestelltes und geführtes Dossier


 
Mit dem Medikamentenmanagement soll sichergestellt werden, dass der richtige Patient das richtige Medikament zur richtigen Zeit, in der richtigen Dosierung und auf dem richtigen Applikationsweg erhält. Das ist die berühmte 5R-Regel, die als Merkhilfe für eine sichere Verabreichung von Medikamenten dient.
 
Fehler können jedoch während des ganzen Medikamentenkreislaufs passieren. Dieses Fehlerrisiko ist in einigen Bereichen des Gesundheitswesens, namentlich in der Geriatrie, aufgrund von Komorbiditäten, der Einnahme mehrerer Medikamente (Polymedikation) und Wechselwirkungen zwischen Medikamenten grösser. Da betagte Menschen ein besonderes Profil aufweisen, legen die Pflegeheime ein starkes Augenmerk auf die Vermeidung solcher Fehler, indem sie vor allem bestrebt sind, die Prozesse, das Management, die Arbeitsplatzgestaltung und die Arbeitsabläufe im Zusammenhang mit dem Medikamentenkreislauf zu verbessern.
 

 

Aktivitäten der AVALEMS

Zur Mission der AVALEMS gehört es, Überlegungen über berufliche Themen anzustossen und Projekte zu unterstützen, welche die Best Practices für die Langzeitpflege fördern.

Jedes Jahr wird eine Bachelorarbeit einer Studentin oder eines Studenten der HES-SO Valais/Wallis mit dem Prix AVALEMS prämiert. Diese Auszeichnung ist ein Mittel, um Brücken zwischen der Forschung und Praxis zu schlagen. In diesem Fall werden die Anstrengungen und guten Berufspraktiken für mehr Sicherheit bei der Medikamentenabgabe unterstützt.

Die Vereinigung engagiert sich aber auch auf andere Art. So fördert sie zum Beispiel das nationale Pilotprogramm «progress! Sichere Medikation in Pflegeheimen» der Stiftung Patientensicherheit Schweiz.

Ausserdem koordiniert die AVALEMS die Implementierung und die stetige Weiterentwicklung des Qualitätssicherungsinstruments Qualivista, das in sämtlichen Pflegeheimen im Wallis eingesetzt wird. In diesem System ist eine Reihe von Kriterien für das Medikamentenmanagement festgelegt.

Weiter bringt die Vereinigung jedes Jahr die Krankenversicherer und Apotheker zur Aushandlung des Vertrages zur pharmazeutischen Unterstützung der Pflegeheime an einen Tisch.

 
Arten von Medikationsfehlern

Es gibt zwei Arten von Medikationsfehlern: Zum einen sind es unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW), die durch ein allein oder in Kombination mit anderen Arzneimitteln eingenommenes Medikament hervorgerufen werden und Wechselwirkungen mit potenziell schwerwiegenden Folgen auslösen können. Diese sind iatrogen, d. h. durch ärztliche Massnahmen verursacht, und fallen in den Bereich der Pharmakovigilanz (Arzneimittelsicherheit). Zum anderen handelt es sich um Medikationsfehler aufgrund des Medikamentenmanagements. [1] 

Ein Medikationsfehler ist die unbeabsichtigte Unterlassung oder Ausführung einer Handlung im Zusammenhang mit einem Medikament, die zu einem Risiko oder unerwünschten Ereignis für den Patienten führen kann. Per Definition ist ein Medikationsfehler vermeidbar, da er zum Ausdruck bringt, was im Verlauf einer medikamentösen Behandlung eines Patienten hätte getan werden sollen und nicht getan wurde. [2] 

Der Fehler kann eine oder mehrere Stufen des Medikamentenkreislaufs betreffen: z. B. Verpackung, Etikettierung, Nomenklatur, Verschreibung, Übermittlung von Bestellungen, Dispensierung, galenische Zubereitung, Lieferung, Verabreichung, therapeutische Nachbetreuung. [3] Die Fehlerquellen im Medikamentenkreislauf sehen prozentual wie folgt aus:

 


 

Teilweise sind Fehler auf menschliches Versagen zurückzuführen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen aktivem menschlichem Versagen, z. B. Überlegungsfehlern, und latentem menschlichem Versagen, das mit dem Management, der Ergonomie und der Gestaltung der Tätigkeit selbst zusammenhängt. [5] So haben beispielsweise folgende Faktoren einen Einfluss auf die Leistung:
- Ablenkbarkeit
- hohe Arbeitsbelastung
- Umgebungsgeräusche
- schlechte Beleuchtung
- dichte Lagerung von Medikamenten
- Unterbrechung des Prozesses


[1] HAS Haute Autorité de Santé. (2015, novembre). Sécuriser la prise en charge médicamenteuse en établissement de santé - QUESTIONS / RÉPONSES. Service presse HAS. Consulté à l’adresse https://www.has-sante.fr/upload/docs/application/pdf/2015-11/qr_conciliation_medicamenteuse.pdf

[2] Ibid

[3] Meier Béatrice. (2001, décembre). Dispensation des médicaments - Evaluation des erreurs à différentes étapes du processus. Université de Lausanne et université de Genève – Ecole romande de pharmacie. Consulté à l’adresse https://pharmacie.hug.ch/sites/pharmacie/files/ens/mas/ diplome_bm.pdf

[4] Prof. Pascal BONNABRY. (2008, octobre). L’erreur est humaine… comment améliorer la sécurité des patients ? Présenté à L’erreur est humaine… comment améliorer la sécurité des patients ? Genève, Suisse. Consulté à l’adresse https://pharmacie.hug.ch/ens/conferences/pb_erreur_officine_cours_cap08.pdf

[5] ibid

Vorbeugung und Massnahmen gegen Arbeitsunterbrechungen bei der Medikamentenabgabe

Delphine Peyla, diplomierte Pflegefachfrau und Gewinnerin des Prix AVALEMS 2020, hat in ihrer Bachelorarbeit Massnahmen analysiert, mit denen Unterbrechungen und Störungen des Pflegepersonals während der Verabreichung von Medikamenten minimiert werden können. Die Arbeit beleuchtet einen Aspekt, der den medizinischen Fachkräften oft nicht ausreichend bewusst ist: «Nein, es ist nicht normal, bei der Vorbereitung oder Verabreichung von Medikamenten mehrmals gestört zu werden.» Diese Unterbrechungen können offensichtlich zu Fehlern bei der Medikation führen. Die Stärke dieser Analyse liegt darin, dass dieser besondere Aspekt hervorgehoben wird und drei sehr konkrete Massnahmen vorgeschlagen werden, um zu versuchen, den Einfluss dieses Faktors zu verringern.

 

Synthesebericht der Arbeit auf der AVALEMS-Website (Artikel) (nur auf Französisch)

Komplette Bachelorarbeit (nur auf Französisch)

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